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zum Deutschen Reichsbahn-Kalender 1927 "Diesen Karren, der durch die Welt rollt,
hält kein menschlicher Arm mehr auf."
Dr.-Ing. Dr. Hans Baumann
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Das erste Blatt des ersten Reichsbahn-Kalenders
von 1927 ist zeigt eine freundliche Farbgrafik und verbreitet damit großen
Optimismus, obwohl die wirtschaftliche Situation und politische Stimmung
in Deutschland in dieser Zeit nicht sehr rosig war.
Diese positive Stimmung vermag der Reichsbahn-Kalender viele Jahre hinweg aufrecht zu erhalten Er begeisterte den Betrachter immer wieder aufs Neue für die Eisenbahn und ihre Technik, die Eisenbahner und ihre Leistungen sowie die vielfältigen Landschaften Deutschlands, die sich ohne die Eisenbahn nicht so hätten entwickeln können. |
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Schnell fand der Reichsbahn-Kalender einen großen und treuen Freundeskreis und im Laufe der Jahre wurde er zu einer festen Institution im Leben der Eisenbahner Deutschlands. Sein geradezu legendärer Ruf hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Auf anfänglich rund 125 und dann 160 Seiten pro Jahr bot er dem Betrachter auf hervorragenden Aufnahmen namhafter Fotografen oder mitunter auch auf Zeichnungen einen breiten und interessanten Einblick in die ganze Vielfalt der Welt der Eisenbahn. Auch die farbig gezeichneten Titelbilder lassen diese Vielfalt erkennen.
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Im ersten Jahr war das Kalendarium auf konstant drei Tage pro Kalenderblatt angelegt. Ab 1928 wurde bis zum Jahr 1939 eine Einteilung von drei Seiten pro Kalenderwoche gewählt, wobei jeweils eine Seite für Montag bis Mittwoch, eine Seite für Donnerstag bis Sonnabend und die dritte Seite für den Sonntag reserviert waren.
Ab dem Jahr 1928 durchzog jeden Kalender ein Schwerpunktthema, welches sich durchschnittlich auf wenigstens einer Seite pro Woche wiederfand:
| Jahr | Schwerpunktthema |
| 1928 | Reichsbahn und Wirtschaft |
| 1929 | Reichsbahn und Volk |
| 1930 | Mit der Reichsbahn durch deutsche Lande |
| 1931 | Die Reichsbahn als Brücke zum Ausland |
| 1932 | Die Reichsbahn in der Zusammenarbeit der Verkehrsmittel |
| 1933 | Kundendienst der Reichsbahn |
| 1934 | Die Eisenbahner und ihre Reichsbahn |
| 1935 | 100 Jahre deutsche Eisenbahnen |
| 1936 | Was Dir die Reichsbahn sein will |
| 1937 | Die Reichsbahn im Jahreslauf |
| 1938 | Reichsbahn und Handwerk |
| 1939 | Reichsbahn und Landschaft |
| 1940 | Auslandsverkehr trotz Krieg |
| 1941 | Die großdeutsche Aufgabe der Reichsbahn |
| 1942 | Deutsche Eisenbahner, Helfer der Heimat, Helfer der Front! |
| 1943 | Räder müssen rollen für den Sieg! |
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Die Schwerpunktthemen vorangegangener
Jahre tauchten auch in den Folgejahren immer wieder in einzelnen Darstellungen
auf. Aber auch Themen, für die es kein Schwerpunktjahr gab, sind in
allen Kalendern regelmäßig anzutreffen, wie zum Beispiel:
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Der Reichsbahn-Kalender erfreute sich nicht nur bei den Eisenbahnern höchster Beliebtheit, allerdings sind keine Angaben zu den Auflagenhöhen bekannt. Jeder Kalender enthielt im Sommer ein Blatt mit dem Bestellschein für den Kalender des folgenden Jahres. Der Preis lag anfänglich bei 4,- RM und wurde in den 1930er Jahren auf 3,60 RM reduziert, was eine deutlich erhöhte Auflage vermuten läßt. Im Krieg wurde der Stückpreis auf 3,20 RM festgelegt. Regelmäßig wurde der Preisangabe hinzugefügt, daß bei Sammelbestellungen Preisnachlaß gewährt wird.
Gedruckt wurde der Reichsbahn-Kalender in Leipzig bei F.A. Brockhaus und verlegt wurde es ebenfalls in Leipzig beim Konkordia-Verlag unter Reinhold Rudolph, der auch Chef der Verkehrswissenschaftlichen Lehrmittelanstalt war, welche durch ungezählte hochwertige Druckschriften zur Aus- und Weiterbildung der Eisenbahner bekannt war.
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Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 bekam der Reichsbahn-Kalender zunehmend auch eine propagandistische Funktion. Der bisherige Herausgeber und Pressechef der Reichsbahn Dr.-Ing. Dr. Hans Baumann wurde 1933 von den Nazis aus seinem Amt verdrängt und hatte keinen Einfluß mehr auf die Gestaltung des Kalenders. Bereits 1934 begann das Kalendarium mit dem Hakenkreuz-Symbol der neuen Machthaber und dem vielsagenden Motto "Mit Volldampf in die neue Zeit". Neben den typischen kitschigen Führerbildern enthielt der Reichsbahn-Kalender zunehmend auch Blätter zu solchen Themen wie "Reichsbahn und Hitlerjugend" oder "Reichsbahn und Wehrmacht", was sich natürlich ab 1940 noch verstärkte. Auch wurden Leistungen der Reichsbahn nicht selten als Ergebnis der Politik der braunen Machthaber verklärt. Das tat aber der sonst weiterhin hervorragenden Bildauswahl und -qualität und der informativen Textgestaltung der übrigen Kalenderblätter keinen wirklichen Abbruch. Im Laufe der Jahre veränderte sich der Quarakter des Kalenders von einem Reklameinstrument für die Reichsbahn zu einem solchen für den Staat, dem die Reichsbahn ebenso zu dienen hatte, wie alle anderen Wirtschaftszweige.
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Im Jahr 1940 wurde das Kalendarium auf eine Seite pro Kalenderwoche von Sonntag bis Sonnabend geändert, offenbar um Papier zu sparen. Es bleibt zwar reine Spekulation, daß diese Einsparung den vielen Freunden des Reichsbahn-Kalenders wenig gefallen hat und es darum Widerspruch gegeben haben mag. Es ist jedoch zu festzustellen, daß in den beiden kommenden Kriegsjahren 1941 und 1942 wieder die alt bewährte Kalendariumsform mit drei Seiten pro Woche und damit dreifachem Papierbedarf verwendet wurde. Erst im Jahr 1943, als die allgemeine kriegsbedingte Materialknappheit im gesamten gesellschaftlichen Leben unübersehbar wurde, mußten sich die Reichsbahner bei ihrem Kalender wieder mit einem Blatt pro Woche begnügen.
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Bereits das Titelblatt 1943 läßt
keinen Zweifel mehr an der bestehenden Situation, aber das letzte Blatt
des letzten Kalender ist in seiner verkrampften Darstellung kaum noch zu
überbieten, zumal heute bekannt ist, wohin die Entwicklung geführt
hat. Trotzdem versuchte die damalige Propaganda mit allen Mitteln, eine
positive Stimmungslage zu konstruieren, welche auch bei den Eisenbahnern
zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorgeherrscht haben dürfte.
Als die Redaktion für den Kalender des Jahres 1943 abgeschlossen wurde, ahnten sicher nur Wenige, daß es der letzte Kalender dieser Art sein würde. Es war nicht vorhersehbar, was das kommende Jahr für Deutschland, die Reichsbahn und jeden einzelnen Betrachter des Kalenders bringen würde. Dennoch enthielt auch dieser Kalender, wie alle seine Vorgänger einen Bestellschein für die nächste Ausgabe, die jedoch nicht mehr erschien. |
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Die Eisenbahner, die dort fern der Familie und der Heimat an spärlich gedeckten Tischen Weihnachten feiern, haben die Härten des Krieges hautnah erfahren müssen und waren für die propagandistischen Reden zum Jahreswechsel sicher wenig empfänglich. In den kommenden Monaten verschärfte sich auch ihre Situation noch unaufhörlich weiter und viele Eisenbahner haben bis zum Kriegende Schaden an Leben und Gesundheit erleiden müssen. Dennoch hat die Mehrheit von ihnen ihren Dienst trotzt aller Härten pflichtbewußt bis zum bitteren Ende ausgeführt. Immerhin erschien sicher nicht wenigen Eisenbahnern ihr gewohnter Dienst unter wesentlich erschwerten Bedingungen immer noch verlockender als die Einberufung zur Wehrmacht.
| Nach dem Krieg standen verständlicherweise
zunächst wichtigere Dinge im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses
als die Herausgabe eines neuen Kalenders der Reichsbahn.
Für das Jehr 1949 hat dann aber die Reichsbahn in der Bi-Zone bereits wieder einen Kalender herausgegeben, welcher einerseits in der Tradition der alten Reichsbahn-Kalender stand und andererseits auch als erste Ausgabe der darauf folgenden Bundesbahn-Kalender angesehen werden kann. Seine vergleichsweise einfache Aufmachung, insbesondere die Papierqualität, war den damaligen Verhältnissen geschuldet. Das Kalendarium war wie bei den Kriegsausgaben von 1940 und 1943 auf ein Blatt pro Kalenderwoche reduziert. Auch dieser Kalender stand wieder unter einem Motto, welches bereits durch die Darstellung auf dem Titelbild bekundet wurde: Die Reichsbahn baut wieder auf |
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| Thomas Noßke 2004 | www.epoche2.de |